GMail als primärer E-Mail Client

GMail als primärer E-Mail Client? Soll ich? Geht das überhaupt?

Nachdem ich nun auf vielen verschiedenen Systemen arbeite möchte ich nicht überall einen E-Mail Client einrichten. Klar, man könnte jetzt einen Webmail Client wie z.B. Roundcube nehmen. Aber mal ehrlich: jeder (oder fast jeder) hat doch eine GMail Adresse, oder?

E-Mails abrufen

Neben der eigenen GMail Adresse kann man auch andere E-Mail Konten zum Mailabruf einrichten. Somit hat man alle Mails in einem Posteingang (dem von GMail). Anhand der Empfängeradresse kann man auch mithilfe von Filtern die Nachrichten mit Labels versehen, sodass es einem leichter fällt Nachrichten zu unterscheiden. Möglicherweise hat man eine private GMail Adresse, eine zweite private E-Mail Adresse bei einem anderen Anbieter und eine E-Mail Adresse des Musikvereins, in dem man tätig ist. Durch das Einrichten von Filtern und Labels erkennt man schnell, ob eine E-Mail an eine der privaten E-Mail Adressen geschickt wurde oder an die Vereinsadresse.

E-Mails von anderen E-Mails Adressen versenden

Aber wenn man jemandem antworten will und nicht die GMail Adresse benutzen will? Was dann? Auch hier gibt es keine Probleme. Man kann in GMail in den Einstellungen unter „Konten und Import“ den Punkt „Senden als“ mit allen E-Mail Adressen, von denen aus man senden möchte, befüllen. Hier wird u.a. der SMTP-Server (Postausgangsserver) sowie der zugehörige Benutzername und das Passwort eingetragen. Will man nun von einer solchen E-Mail Adresse eine Nachricht versenden wählt man diese im Verfassen-Fenster als Absenderadresse aus und beim Klick auf „Senden“ loggt sich GMail nicht auf dem Postausgangsserver von Google sondern auf dem Server des jeweiligen Anbieters ein. In diesem Fall verhält sich GMail nicht anders als ein herkömmliches E-Mail Programm.

Bewertung

Ich möchte in diesem Beitrag versuchen, alle Vorteile und Nachteile, die mir über den Weg gelaufen sind, zusammenzufassen. Dabei versuche ich in „positiv“, „neutral“ und „negativ“ einzuordnen.

Positiv
  1. Zugriff überall
    Zugriff bekommt man von überall. Der Computer muss nur einen Webbrowser und Internet haben. Aber auch auf Smartphone und Tablet ist GMail verfügbar. Was sich über einen Webmailer auf dem Computer noch komfortabel abbilden lässt ist auf Smartphone und Tablet meist schwierig. Nicht jeder Webmailer hat eine auf Mobilgeräte (gut) angepasste Ansicht, geschweige denn eine App.
  2. Guter Spam-Filter
    GMail hat einen sehr guten Spam-Filter. Google lernt von Millionen Nutzern, sodass man sich nicht wirklich um Spam kümmern muss.
  3. Viele Plugins
    Für GMail gibt es haufenweise Plugins von Dritten, mit denen sich die Funktionalität von GMail erweitern lässt. Populäre Plugins sind z.B. Boomerang, Todoist oder Rapportive.
  4. Todoist Plugin
    Ich selbst nutze Todoist und Chrome. In dieser Kombination besteht die Möglichkeit, Todos mit E-Mail „Links“ zu erstellen. Klickt man auf einen solchen Task wird man direkt zur zugehörigen E-Mail geleitet. Ziemlich praktisch.
Neutral
  1. Sicherung der Mails
    Betreibt man seinen eigenen Mailserver oder nutzt einen anderen E-Mail Dienst nur über dessen Website hat man das gleiche Problem auch. Es kommt zwar selten vor, aber was, wenn der Anbieter die Mails verliert? Google hat mit Google Takeout einen Dienst geschaffen, alle im Google Account liegenden Daten – also auch seine Mails – komprimiert herunterzuladen. Andere Anbieter bieten einen solchen Dienst gar nicht erst an.
  2. Inbox by GMail
    Wer seine Mails gerne als Todos sieht ist mit Inbox by GMail genau richtig. Inbox ist Googles Ansatz, E-Mails anders zu lösen. Die Informationsseite listet die Features und Vorteile ganz gut auf. Ich persönlich mag diesen Ansatz (noch) nicht. Aber wer weiß was die Zukunft bringt?
Negativ
  1. Single Point of Failure
    Hat GMail Probleme gibt es keinen Zugriff auf die Mails.
  2. Google hostet alle Daten
    Macht man alle seine E-Mails über Google hat Google natürlich auch Zugriff auf alle E-Mails, die man sein eigen nennt. Allerdings könnte man als Gegenbeispiel auch den Artikel „Google Has Most of My Email Because It Has All of Yours“ anführen.

Zusammenfassung

Ob diese Variante der E-Mail Verwaltung wirklich eine praktikable Lösung ist muss jede(r) für sich entscheiden. Auf jeden Fall ist es ein Weg Ordnung in das Chaos zu bringen wenn man es mit mehreren E-Mail Adressen zu tun hat.

Interesse geweckt und noch offene Fragen? Ich würde mich über eine E-Mail sehr freuen.